Konrad Beikircher im Wissener Kulturwerk

„Esch benn do, un ihr seit och do, dann hat ihr dat jo he och jefunge, jenau wie ich.“ Mit diesem Worten eröffnete Konrad Beikircher seinen Auftritt im Wissener Kulturwerk, bei dem kein Auge trocken blieb, um es vorweg zu nehmen.

Mit seinem Programm „Am schönsten isset, wenn et schön is“ gastierte Konrad Beikircher im November 2009 das erste Mal in Wissens guter Stube. Im Rahmen des 10. Teils der „Rheinischen Trilogie“, nahm er das Publikum mit auf eine Reise durch das „rheinische Universum“ und erklärte den aufmerksamen Zuhörern unter anderem die Eigenart der rheinischen Grammatik. Beim Spaziergang zwischen Bonn und Düsseldorf eröffnete er dem Publikum von der Sieg Lebensweisheiten und Eigenarten des Rheinländers, die so in keinem Lexikon stehen.

Kaum ein anderer hat dem Rheinländer, bisweilen dem Kölner intensiver, so genau auf den Mund geschaut, wie Konrad Beikircher. Der Winter steht vor der Tür und er beginnt seine Episoden mit dem Reifenwechsel an seinem Auto in einer Werkstatt. Dabei erfährt man beiläufig, wer alles zu seiner Familie gehört, und wo er wohnt. Da ist seine Frau, genannt „et Festkomitee“ und „de Pänz“ und sie wohnen im westlichen Stadtteil von Bad Godesberg, Nähe Kottenforst, in Schweinsheim – in rheinischer Mundart Sickalm jenannt, wohin de Fergestünn et Veh jetrewe hät. Der Werkstattmeister erklärt den Zustand des Reifenwechsels mit dem Kommentar: „De Wagen wör dann suweit fedisch.“ An dieser Aussage erläutert Beikircher, dass der Rheinländer selten klar formuliert, er lässt sich immer noch ein Hintertürchen offen. „Er wör suweit fedisch“, heißt, dass eigentlich noch etwas fehlt. Beikircher praktiziert vorzüglich in seinem Programm, wie der Rheinländer Sätze beginnt, sie abbricht und einen neuen Satz mit einem anderen Thema beginnt. Er erzählt von seinem Freund, dem „Treppmanns Jünther“, einem Urologen. Der hat ihm in einer stillen Stunde verraten, dass es auch bei den Männern Eitelkeiten gibt, meistens dann, wenn die Haare „Melatenblond“ (Melaten ist ein Kölner Friedhof und Blond in dem Fall Grau) sind und sich Probleme beim „Wasserabschlagen“ einstellen. Dabei möchte der Rheinländer immer genau wissen „watt loss ess“. Konrad Beikircher sinniert darüber, dass der rheinische Mensch immer auf der Suche nach etwas Schönem ist, auch im Urlaub. Hat er dann etwas Schönes gefunden, vergleicht er es mit seiner rheinischen Umgebung, etwa die Gipfel der Alpen mit den Bergen der Eifel. Er kommt dann zu dem Schluss: „Weste wo et am Beste es, dat iss zu Hus und von do kannste üwerall hin.“ Die Lichtenstein-Affäre hätte auch das Rheinland erreicht und manch einem wäre doch etwas mulmig geworden. Dabei sei das „Rheinische Grundgesetz“ oft zum Einsatz gekommen, wie dessen Paragraf drei besagt: „Et hät noch emmer jot jejangje.“ Beikircher stellte fest, der Rheinländer an sich sei ein wortkarger Mensch. Der Duden brauche für manche Erklärung eine viertel Seite, der Rheinländer dagegen nur ein Wort, höchsten aber vier bis fünf. Wenn jemand, nehmen wir mal an, eine Party verlässt und ein anderer fragt nach der verschwundenen Person, könnte der Wortwechsel folgender sein: „Wo es he hin?“ Und die Antwort kurz und bündig: „Fort.“ Es solle auch Menschen geben, die dem Rheinländer gegenüber inkompatible sind, „äwer do kann me nix jejen mache“, meinte Beikircher. Und so gab er noch schlussendlich den Hinweis auf eine interessante Satzkonstruktion des Rheinländers, der nämlich etwas in einem Satz bejaht und gleichzeitig verneint. Bei anhaltendem Applaus konnte Konrad Beikircher ohne Zugabe die Bühne im Kulturwerk in Wissen nicht verlassen.