Wesser Fastowend vor 60 Jahren

Vor sechzig Jahren wurde 100 Jahre Wesser Fastowend in Wissen, der karnevalistischen Hochburg an der mittleren Sieg, groß gefeiert. Dies war auch Anlass, eine Prinzengarde zu gründen.

Man schreibt das Jahr 1955. Die Vorbereitungen für das Jubiläum „100 Jahre Wesser Fastowend“ im darauffolgenden Jahr sind in vollem Gange. In den Köpfen des Vorstandes der Wissener Karnevalisten reift der Gedanke, zu diesem Anlass eine Prinzengarde zu gründen. Sechs jungen Männern, Alex Taditsch, Walter Kornapp, Hermann-Josef Brück, Heribert Ebach, Hans Wienand und Manfred Knopp nebst Kommandanten Alfred Kesselheim, nähte Schneidermeister und Elferratsmitglied Otto Willmeroth die passenden Uniformen. Sie waren den führenden Wissener Karnevalisten nicht unbekannt und dem karnevalistischen Brauchtum nicht abgeneigt. Unter der Anleitung von Horst Neutsch, damals Kapellmeister der Wissener Feuerwehrkapelle, später auch Präsident der Wissener KG und seiner Frau Ria, studierte die Garde auf die Melodie des Marschliedes „Rheinlandmädel“ ihren Gardetanz ein.

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Von nun an stand dem Prinzen bei seinen Auftritten neben Elferrat und Funkenmariechen auch die Prinzengarde zur Seite. Sie wurde zu einem Hingucker und einer Bereicherung im Wesser Fastowend. Im Laufe der Jahre allerdings gab es hin und wieder leichte Veränderungen bei der Besetzung der Prinzengarde.

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Die neu gegründete Prinzengarde stand für die Jubiläumssession parat, was fehlte, war ein Funkenmariechen. Kurzerhand hatte Hubi Deipenbrock, der damalige Präsident der Wissener Karnevalsgesellschaft, Ursula Ehlgen gefragt: „Wellst‘ de net et Funkenmariechen machen?“ Nach einem Gespräch und einer kurzen Bedenkzeit sagte sie dann zu. So wurde Ursula Ehlgen das Funkenmariechen der neu gegründeten Prinzengarde im Jubiläumsjahr 1956.

Anmerkung:
Die Mitglieder der ehemaligen Prinzengarde trafen sich, nicht nur zur Karnevalszeit, sondern auch im Laufe des Jahres an einem Stammtisch. Daraus gründete sich schon bald ein Kegelklub, der annähernd vier Jahrzehnte bestand. Nach der Auflösung des Kegelklubs hat man sich nicht aus den Augen verloren. Einige von ihnen treffen sich heute noch (wieder) an einem Stammtisch. Karnevalistisch gesehen wechselte manches Mitglied der damaligen Prinzengarde in den Elferrat der Wissener Karnevalsgesellschaft. Einige von ihnen waren zudem jahrelang auch im Vorstand der KG tätig.

Die Jubiläums-Prunksitzung wurde zu einem grandiosen Stimmungsfeuerwerk im fast schon überfüllten Film-Theater (an die 600 Besucher) in Wissen. Fünf Stunden lang wurden die Fastowendsgecken mit Büttenreden und Gesangsvorträgen, die wahre Lachsalven hervorriefen, von den heimischen Karnevalsgrößen bestens unterhalten. Höhepunkt des Abends war die feierliche Proklamation des neuen Prinzen „Heinz Josef I.“. Präsident Hubi Deipenbrock wies in seiner Ansprache auf die 100-jährige Tradition des Wesser Fastowends hin, die im gleichen Sinne  fortgeführt werde. Ein weiterer Glanzpunkt der Sitzung war unbestritten der Gardetanz der neu gegründeten Prinzengarde.

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Bemerkenswert war es schon, dass nicht nur der damalige Südwestfunk, zuständiger Sender für Rheinland-Pfalz, anwesend mit einem Übertragungswagen, die Jubiläumssitzung aufzeichnete und Ausschnitte einige Tage später über den Äther schickte, sondern auch der Westdeutsche Rundfunk in Köln, dessen Sendebereich Nordrhein-Westfalen umfasst, mehrere Büttenreden in seinem Abendprogramm sendete.

Ein weiterer Höhepunkt des Jubiläums war der Fastowendszuch am Fastowendsdiensdach. Tausende von Menschen waren nach Wissen gekommen, um sich den prächtigen närrischen Umzug anzuschauen.100 Jahre Wesser Fastowend_5

Mehr über den Karneval in Wissen in den 1950er-Jahren kann im Bildband „Mer feijern werer Fastowend“ nachgelesen werden.