Die Schluckspechte

Ein Germania Bierchen, so urig und fein
das schmeckt ja so prima, ja so muss es auch sein,
und weil es so gut schmeckt, drum trinken wir hier
mit all unseren Freunden das urig feine Bier
mit all unseren Freunden Germania Bier.

Dieser Refrain, eines ihrer Lieder, wurde sozusagen zum Markenzeichen für eine der damals angesagtesten Gruppen im Wesser Fastowend. Vier Männer im besten Alter, karnevalistisch, gesanglich wie musikalisch nicht unbedarft, gründeten Mitte der 1970er-Jahre, also vor gut 40 Jahren, das Gesangsquartett die „Schluckspechte“. Sie erfreuten sich großer Beliebtheit beim närrischen Publikum und waren aus der Wissener Karnevalsszene, aber auch darüber hinaus, nicht mehr wegzudenken. Ihre Texte mit eingängigen Melodien verpackt, waren vielfach mit spitzer Feder geschrieben. Themen aus dem lokalen Bereich trafen stets den Nerv des Publikums. Nichtsdestotrotz nahmen sie sich aber auch selbst mit viel Ironie in ihren Liedern auf die Schippe.

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Zur Schluckspechtformation gehörten zunächst Axel Wirths, Harald Dönges, Walter Hamann und  Friedel Steinhauer.

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Nach einiger Zeit aber wurde aus dem Quartett ein Trio, nun ohne Walter Hamann.

Hierzu ein Auszug aus ihrem Schluckspechtlied:

Wir sind fürwahr drei tolle Hechte,
denn wir schlucken schlimmer als die Spechte.
Der Sinn in jedem Schluckspechtleben ist es,
täglich massig Biere heben,
das ist der schönste Zeitvertreib.

Ein Schluckspecht fühlt sich dann erst wohl,
steht er ständig unter Alkohol.
Von Germania gibt es Dividende,
im hohen Alter dann als Rente.
Ja für unsere Zukunft ist gesorgt. …….

In einem anderen Lied beschrieben sie einen bösen Schluckspechttraum.
Da heißt es in der letzten Strophe:

Es gibt kein Bier mehr, hab ich geträumt,
kein lecker Bier mehr, das herrlich schäumt.
Glaubt mir ihr Freunde, hier in diesem Raum,
das war ein böser, böser, böser, böser Traum.

Anmerkung:
Lediglich in den Jahren 1984 und 1985 wurden die Schluckspechte verstärkt durch Bernd Hüsch am E-Bass.

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In späteren Jahren traten dann Harald Dönges und Friedel Steinhauer als Duo auf.

Dazu ein Auszug aus einem ihrer Lieder:

Hier stehn fürwahr zwei tolle Hechte
bekannt in Stadt und Land,
weil trinken unser Hobby ist,
Schluckspechte werden wir genannt.

Auf Brettern, die die Welt bedeuten,
stehn hier zusammen, das ist war,
und keinen Tag davon bereuen, glatte 75 Jahr ….,

Die grauen Zellen versoffen, der Kopf ist leer,
eingefallen ist uns gar nichts mehr.
Lieder aus vergangener Zeit,
ist alles, was uns noch verbleibt.

So lautet unser Motto dann:
„Erinnern Sie sich noch daran“.

Überdies machte Harald Dönges auch als Büttenredner eine gute Figur. Er war es auch, der beim legendären „Bunten Abend“ der Altprinzen die musikalischen Fäden in der Hand hatte. Im Jahre 1988 war er Prinz der Wissener Karnevalsgesellschaft.

Schluckspechte

Die Schluckspechte kombinierten bei ihren Auftritten Text- mit Liedbeiträge. Oft war es damals (wie heute) die Kommunalpolitik, die die Menschen im Wisserland bewegte, mit ihren kleinen und großen Projekten, die mit viel für und wider diskutiert wurden, bis sie endlich verwirklicht werden konnten. Dies war natürlich für die textliche Umsetzung der Schluckspechte ein gefundenes Fressen. Gäbe es die Gesangsgruppe heute noch, ihnen ging bestimmt auch jetzt der Stoff nicht aus.

Ein Auszug von einem ihrer damaligen Auftritte:

Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund
die Sonne brennt dort oben heiß
auf Wissens Schleudersitz
droht ständig die Gefahr
ist das nicht ein bisschen viel,
nicht so hoch gesteckt das Ziel.
Keiner hilft dir dann, du weist es ja,
wie’s früher immer war.

Schon 15 Jahre hockt er da,
Leut es ist kein Witz,
unser kleiner Ottomar auf dem Schleudersitz.
Hier sitzt und schwelgt er, zum Beschluss,
in ungestörtem Hochgenuss.

Alle Welt nach Wissen schaut,
wer hat die Denkmäler gebaut,
das größte ist, da kocht die Seele,
die sogenannte Bahnparallele.

Die, wenn das so weitergeht,
im Jahr 2000 noch nicht steht,
wenn da nicht bald etwas passiert,
sind wir bis dahin pensioniert.

Bahnparallele, Straße die aus Träumen geboren,
wer hat da die Sinne verloren,
wer hat die Millionen da im Sack.

Bahnparallele, Straße die aus Träumen geboren,
ach wie werden wir da geschoren,
bis wir völlig nackt unterm Frack.

An der Hintergass ist erstmal Ende
mit der schönen Straß.
Optimisten sagen, im Jahr 2000
wird das endlich was.
Wann wird es mal ein Ende hier geben,
wir würden es noch gerne erleben,
Albtraum Tag und Nacht.

Nach statistischen Umfragen zufolge
ist die durchschnittliche Lebenserwartung
bei Männern 72,9 Jahre.
Das heißt im Klartext: Wir Schluckspechte
werden die Fertigstellung wohl nicht mehr erleben.

Bahnparallele immer wieder Bahnparallele,
Albtraum Tag und Nacht.

Für Fußgänger beruhigte Zonen,
Brunnen, Blumen, schöner wohnen.
Alles hier in dieser Stadt,
irgendwo nen Sinn noch hat.

Zarte Düfte kündigen an,
steht da nicht der Hähnchenmann.
Nicht nur einer, nein gleich zweie,
frustriert stehst du in langer Reihe
ganz hinten an, im letzten Glied,
denkst an Napalmduos neusten Hit.

Brennend heißer Hähnchenstand
viele Hähnchen sind verbrannt.
Eins halb, eins ganz, die keiner mag,
das ist Markt am Donnerstag.

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Friedel Steinhauer, der schon seit Jahren nach einem Schlaganfall im Rollstuhl saß, war der noch letztlebende der Gesangsformation Schluckspechte. Nun ist auch er im Frühjahr 2018 verstorben. Trotz seiner Beeinträchtigung hatte er aber immer noch rege am Geschehen des Wesser Fastowends teilgenommen.
Mit ihrem Loblied auf das Germania Bier – „Ein Germania Bierchen, so urig und fein ……“ – haben sich die Schluckspechte ein Denkmal im Wesser Fastowend gesetzt. Somit bleibt nicht zuletzt mit diesem Lied die Erinnerung an die ehemalige Sieg-Rheinische Germania Brauerei in Wissen erhalten, wie aber auch an sie selbst, die Schluckspechte.